Gedankensplitter: Solus Christus- Wie?

„Solus Christus“ ist ein Motto vieler protestantischer Gruppen, dass ausdrücken soll, dass allein das Opfer Jesu dem Menschen Rettung(oder „Heil“) ermöglicht. Auf dieser Grundlage werden Zeugen Jehovas aus diesen Gruppen häufig dafür kritisiert, dass sie angeblich lehren würden, dass man sich seine Rettung selber verdienen muss. Kritisiert wird das, weil Zeugen Jehovas dadurch angeblich Jesu Opfer entwerten; hierfür wird gerne ein Wort wie „Leistungsevangelium“ verwendet, um anzudeuten, dass Zeugen Jehovas meinten, sie können sich ihre Rettung durch ihre guten Taten selbst verdienen. Sie vertreten die Meinung: „Es reicht aus, wenn ein Sünder daran glaubt, dass das Opfer Jesu seine Sünden tilgt“.

Ich habe hierzu eine vielleicht etwas überraschende Meinung: Allein Jesu Opfer kann den Menschen retten und jeder einzelne muss gleichzeitig den Willen Gottes so gut wie möglich tun, um gerettet zu werden. Der Versuch, die guten Werke zu tun, bringt uns dabei aber überhaupt kein Verdienst, dass auf unsere Rettung anrechenbar ist. Es ist einfach eine notwendige Bedingung, damit Gott mich überhaupt für die Rettung in Betracht zieht.

Ich will dieses Thema hier nur „kurz“ anreißen, ohne jedes Detail zu besprechen. Wenn du also noch ein Detail nicht erwähnst findest, dann liegt das nicht daran, dass ich das vergessen habe zu bedenken, sondern daran, dass ich den Artikel nicht noch weiter verlängern wollte. Mein Ziel ist hier keine lückenlose Beweisführung (die würde ein Buch erfordern), sondern die Vorstellung des grundsätzlichen Gedankengangs. Natürlich setze ich bei diesem Thema voraus, dass es Gott gibt und die Bibel sein Wort ist.

„Rettung durch Werke“ in der Bibel

„Allein Jesu Opfer kann den Menschen retten und jeder einzelne muss gleichzeitig den Willen Gottes tun, um gerettet zu werden“. Wie geht das? Widerspricht sich das nicht? Viele Protestanten würden genau das behaupten. Für sie gilt: Wenn allein Jesu Opfer rettet, dann heißt das, dass kein Werk des Menschen zur Rettung führen kann. An dieser Stelle solltest du möglicherweise dein Wissen zu notwendigen und hinreichenden Bedingungen auffrischen, es wird dir im Laufe dieses Artikels helfen, auf die wichtigen Punkte zu achten. Du wirst möglicherweise feststellen, dass dies nicht so einfach ist, wie wir uns das alle wünschen, aber es ist notwendig, wenn du die Unterschiede erfassen willst, um die es mir geht.

Ich will einfach anfangen; da niemand (in dieser Diskussion) bezweifelt, dass es Rettung für sündige Menschen nur durch das Opfer Jesu gibt, brauche ich das hier nicht besonders zu begründen. Ich stimme dieser Aussage zu, so wie sie dasteht.  Kann man daraus folgern, dass meine Werke nach Annahme des Opfers Christi (und vorher natürlich auch) nicht mehr wichtig sind für meine Rettung? Nun, ich will hier nicht meine eigene Meinung zu dieser Frage verkünden; stattdessen will ich zuerst auf die Meinung der Apostel Christi zurückgreifen. Dort haben wir zuerst einmal Petrus:

1.Petrus 1,17 (EB): [Gott,] der … nach eines jeden Werk richtet

Wenn Gott mich nach meinem Verhalten richten wird, dann ist mein Verhalten offensichtlich und eindeutig wichtig für den Richterspruch. Wenn man das Gegenteil behaupten will, müsste man annehmen, dass Petrus versucht hätte, uns für dumm zu verkaufen. So einfach und klar bis hierher. Manche, die sich Christen nennen, versuchen um eindeutige Aussagen der Bibel herumzukommen, indem sie ein willkürliches Zusatzerfordernis einfügen dergestalt, dass sie nur Aussagen gelten lassen, die „von zwei oder drei [Schrift-]Zeugen“ bestätigt werden. Obwohl ich von dieser Forderung nicht viel halte, kann ich hier diesen Wunsch erfüllen. Paulus sagte das gleiche:

Römer 2,6 (EB): [Gott], der einem jeden vergelten wird nach seinen Werken

Und wo wir schon dabei sind, nehmen wir das, was Johannes schreibt:

Offenbarung 20,13 (EB) sie wurden gerichtet, ein jeder nach seinen Werken

Tatsächlich gibt es kaum eine einzelne Aussage, die so häufig in der Bibel wiederholt wird wie diese: Jeder Mensch wird von Gott nach seinen Werken gerichtet. Ich kann sogar in diesem Fall die Wünsche derer bedienen, denen die Apostel nicht vertrauenswürdig genug sind und die Aussagen nur gelten lassen, wenn sie von Jesus selber stammen:

Matthäus 16,27 (EB): der Sohn des Menschen [d.h. Jesus] wird […] einem jeden vergelten nach seinem Tun

Damit habe ich eine Auswahl der Bibelverse präsentiert, die diese Aussage machen. Wenn wir uns noch das „Alte Testament“ dazu nehmen, könnten wir noch deutlich mehr ähnliche Verse finden (z.B. Hiob 34,11; Psalm 62,12; Sprüche 24,12; Jeremia 17,10; 32,19; Hesekiel 18,30; 33,20;  Johannes 5,29; 2.Korinther 5,10; Kolosser 3,25; 2.Timotheus 4,14; Offenbarung 22,12; Verszählung jeweils nach NWÜ) Ich denke, damit können wir in Betracht ziehen, dass unsere Werke wichtig sind. Jesus und seine Apostel sagen übereinstimmend, dass das Gericht Gottes danach erfolgt, was jeder getan hat.

Wie hängt das aber nun mit der Rettung durch Jesu Opfer zusammen? Wenn meine guten Werke ausreichen, wozu dann das Opfer? Und wenn das Opfer allein zur Rettung führt, wozu werde ich dann nach meinen Werken gerichtet? Wir wollen sehen.

Eine grundlegende Forderung Gottes an uns Menschen lautet, dass wir seinen Willen tun müssen. Jesus hat klar gemacht, dass wir danach beurteilt werden, ob wir den Willen Gottes tun oder nicht:

Matthäus 7,21 (EB): Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr!, wird in das Reich der Himmel hineinkommen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist.

Demnach bestehen die Werke, die für ein günstiges Urteil Gottes ausschlaggebend sind im Tun des Willens Gottes. Und genau da haben wir den Grund, warum wir allein durch Jesu Opfer gerettet werden.

Die „Sünde im Fleisch“

Beim Tun des Willens Gottes gibt es nämlich ein Problem, dass Paulus im Römerbrief (Kapitel 7) als „in mir wohnende Sünde“ bezeichnet: unvollkommene Menschen sind prinzipiell nicht in der Lage, den Willen Gottes hinreichend vollständig zu tun. Ohne Jesus würde jeder Mensch verurteilt werden, da er prinzipiell nicht in der Lage ist, Gottes Willen hinreichend gut zu vollbringen.

Was ändert Jesu Tod daran? Er bewirkt offensichtlich nicht, dass gläubige Christen aufhören zu sündigen. Dies lehrt uns zum einen unsere Erfahrung und zum anderen die Worte des Paulus in Römer 7, in denen er beklagt, dass er (weiterhin) nicht in der Lage ist, ohne zu Sünde zu leben. Man könnte also (etwas vereinfacht) diese Art Sünde als „das Unvermögen, den Willen Gottes zu tun“ definieren.

Jesu Opfer bewirkt (wieder etwas vereinfacht gesprochen), dass Gott beim Richten dieses Unvermögen nicht mehr gegen uns anrechnet. In Übereinstimmung mit Römer 5,12 wird durch Jesu Opfer (auf hier nicht ausgeführten Pfaden) bewiesen, dass dieses Unvermögen nicht in unserem Verantwortungsbereich liegt. Gott als gnädiger Richter hat damit eine belastbare Grundlage, dieses Unvermögen nicht mehr gegen uns anzurechnen ohne sein eigenes Recht zu beugen. Ohne Jesu Opfer würde er ohne Grundlage entscheiden, dass er uns Sünden nicht anrechnet, was ihn zum Willkürherrscher machen würde, da er Sünden je nach Laune hier einmal anrechnet und dort einmal nicht. Das ist mit einem gerechten Gott nicht vereinbar.

Wir können dieses Unvermögen mit einem „bodenlosen Abgrund“ veranschaulichen, der uns von Gott trennt, und den wir nicht aus eigener Kraft überwinden können (Wir beachten dabei, dass jeder Vergleich hinkt!). Jesu Opfer baut eine Brücke über diesen Abgrund. Es gibt keinen anderen Weg über den Abgrund (vergleiche Johannes 14,6). Somit stimmt die eingangs gemachte Aussage, dass wir nur durch Jesus und sein Opfer gerettet werden können.

Die Brücke steht auch jedem unvollkommenen Menschen zur Verfügung, der „auf der falschen Seite des Abgrunds“ steht, nämlich auf der Seite der Sünder, und auf die richtige Seite will, nämlich auf die Seite Gottes. Aber hier kommen jetzt die Werke ins Spiel! Eine Brücke über einen Abgrund kann von jedem benutzt werden (hier keine Brückenmaut!), aber sie hilft nur denen, auf die andere Seite zu kommen, die sich die Mühe machen, wirklich über die Brücke zu gehen. „Gehen“ ist eine Tätigkeit, ein „Werk“. Wenn Jesus wirklich „der Weg“ ist, dann hilft er uns nur, wenn wir ihn gehen.

Ich will diese Veranschaulichung wieder zurück übersetzen. Wenn Jesu Opfer unser Unvermögen, Gottes Willen zu tun, (nicht beseitigt, sondern es) während des Gerichts „zudeckt“, so dass es nicht mehr in Betracht gezogen wird, dann hilft es nur denen, die wirklich versuchen, Gottes Willen zu tun. Gott rechnet uns also unser Unvermögen nicht mehr an, sondern beurteilt unsere aufrichtigen Versuche, seine Willen zu tun.

Wer keine Lust hat, auf die andere Seite des Abgrunds zu kommen, für den ist die Brücke uninteressant, egal ob sie da ist oder nicht, egal ob es der einzige Weg ist oder es andere gibt, er bleibt da, wo er ist. Genau so nutzt Jesu Opfer denen nichts, die Gottes Willen nicht tun wollen. Man kann nämlich zwei Sorten Sünden unterscheiden: Zum einen das Unvermögen, Gottes Willen zu tun (trotz dem eigenen Wunsch), andererseits gibt es den Unwillen, zu tun, was Gott von uns will. Jesu Opfer hilft nur bei der ersten Sorte von Sünde. Gott zwingt niemanden dazu, seinen Willen zu tun.

Sklaven Gottes oder der Sünde

Bevor ich mich jetzt dem Vorwurf aussetze, dass ich mir das nur ausgedacht habe mit dem Erfordernis, Gottes Willen zu tun, will ich schnell auf das aufmerksam machen, was Paulus in Römer, Kapitel 6, schrieb. Dort vergleicht er uns Menschen mit Sklaven. Nach seinen Worten können wir es uns (aufgrund des Opfers Jesu) „aussuchen“, wessen Sklaven wir sein wollen: die Sklaven der Gerechtigkeit und Gottes oder die Sklaven der Sünde und des Todes. Wer Sklave der Sünde ist, der ist „frei in Bezug auf die Gerechtigkeit“, d.h. er ist nicht verpflichtet, den gerechten Willen Gottes zu tun. Wer hingegen anhaltend sündigt, der macht sich durch sein Handeln selber zum Sklaven der Sünde. Es sind somit unsere Handlungen, die uns in die eine oder andere Kategorie einsortieren.

Paulus benutzt hier bewusst die Metapher des „Sklaven“. Ein Sklave erarbeitet sich keinen Lohn. Er bekommt keine Bezahlung. Er kann sich mit noch so viel Arbeit seine Freilassung nicht erarbeiten. Ein Sklave muss arbeiten, weil er Sklave ist, ohne dass er dafür das geringste Recht erwirbt. Das heißt aber nicht, dass es keine Konsequenzen hat, wenn er nicht arbeitet, ganz im Gegenteil. Ein Sklave, der nicht arbeitet, wird bestraft. Genau so wie ein Sklave ist ein Christ verpflichtet, den Willen Gottes zu tun, ohne dass er dadurch im mindesten gerettet wird. Wie Paulus sagt, ist das Leben für den Sklaven der Gerechtigkeit eine „freie Gabe Gottes“, also etwas, dass er sich offensichtlich nicht erarbeiten kann.

Er muss aber den Willen Gottes tun, damit er überhaupt ein Sklave der Gerechtigkeit bleibt. Denn wer nicht den Willen Gottes tut, der sündigt automatisch, Sünde ist alles, was gegen den Willen Gottes gerichtet ist. Und nach den Worten des Paulus macht man sich genau dadurch zum Sklaven der Sünde, dass man sie tut. Es bleibt also die Alternative: entweder Gottes Willen ohne Bezahlung tun, und damit ein Sklave Gottes sein, oder aber den Willen Gottes nicht tun und damit automatisch zum Sklaven der Sünde werden. Und nach den Worten am Ende des sechsten Kapitels sind es nur Sklaven Gottes, die überhaupt erwarten können, in Genuss der freien Gabe (Römer 3,24) Gottes zu gelangen.

Und damit bestätigt Paulus mit einer anderen Metapher genau das, was ich mit der Brücke zeigen wollte: Ich kann mir mit Werken meine Rettung nicht erarbeiten, weder teilweise noch vollständig, sie sind aber trotzdem eine notwendige Voraussetzung zur Rettung. Nur wer durch seine Werke zeigt, dass er Gottes Willen tun möchte (sich also zum Sklaven der Gerechtigkeit macht), der darf sich überhaupt in der Schlange anstellen, in der Gott die Rettung als freie Gabe austeilt.

Alles andere hätte auch keinen Sinn, denn wenn wir darüber nachdenken, was genau „Rettung durch Jesus“ bedeutet, dann wird klar, dass es genau so sein muss. Das Problem, von dem wir Menschen gerettet werden müssen, besteht genau darin, dass wir Gottes Willen nicht tun können. Jesu Opfer „heilt“ genau diesen Defekt, dieses Unvermögen wird uns nicht mehr angerechnet. Daher kann das Opfer Jesu nur denen helfen, die den Willen Gottes tun wollen. Wer den Willen Gottes nicht tun will, dem hilft es nicht, dass ihm sein Unvermögen nicht angerechnet wird, da sein Unwillen ihn bereits zum Sklaven der Sünde macht. Offensichtlich werden Sklaven der Sünde nicht von Gott gerettet. Gott zwingt niemanden, seinen Willen zu tun. Und wenn jemand nicht will, dann kann er aus diesem Grund nicht gerettet werden.

Die gute Absicht

Damit wird neben dem Opfer Jesu und unseren Werken auch noch unsere Absicht wichtig. Denn da niemand den Willen Gottes vollkommen ausführen kann, kommt es auf unsere Absicht an. Es kommt also vor allem darauf an, warum ich so handele, wie ich handele. In der Bibel wird dies wie folgt ausgedrückt:

1.Johannes 5,3:  Denn das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten

Matthäus 22,37f: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand.“ Dies ist das größte und erste Gebot.

Es reicht daher nicht, (mechanisch) eine Reihe von Vorschriften und Verboten einzuhalten, damit man gerettet wird. Wir müssen Gottes Willen tun, weil wir Ihn lieben. Die Bibel enthält für Christen nicht einfach Vorschriften, die abgehakt werden müssen, damit man gerettet wird,, sondern enthält ein Gesetz, dass „auf das Herz geschrieben ist“ (Hebräer 8,10; Jeremia 31,31ff). Das geschieht nicht in der Weise, dass Christen auf eine „magische Weise“ plötzlich Gottes Willen korrekt verstehen und nichts anderes mehr tun können (auch wenn dies einige aus Hebräer 8 und anderen Texten so herauslesen). Christen sind Menschen, die den Wunsch haben, Gottes Willen zu tun, auch wenn es ihnen in der Realität nicht immer gelingt, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen.

Wer den Wunsch hat, Gottes Willen zu tun, der benötigt nicht für jede Situation im Leben eine göttliche Vorschrift, sondern der versucht zu verstehen, wie Gott denkt und seine eigene Denkweise daran anzupassen. Dann kann er dieses Wissen jeweils auf jede neue Situation anwenden.

Allerdings gibt es hierbei eine „Falle“. Wer nicht wirklich den Wunsch hat, Gottes Willen zu tun, sondern eigentlich seinen eigenen Ideen von Gut und Böse folgen will, dem legt die Bibel (und Gott) kein Hindernis in den Weg. Stattdessen hat die Bibel eine Eigenschaft, die in Hebräer 4,21 beschrieben ist:

[Das Wort Gottes] deckt die geheimen Wünsche und Gedanken des Menschenherzens auf

Wie „macht“ die Bibel das? Sie ist in einer Sprache geschrieben, die es jedem erlaubt, seine eigenen Wünsche und Absichten in die Bibel hineinzulesen, wenn er kein Interesse daran hat, Gottes Willen herauszufinden und zu tun. Andererseits kann die Bibel einem helfen zu verstehen, wie Gott denkt, wenn man es denn wissen will. Die Bibel deckt die geheimen Wünsche und Gedanken meines (Fischotter-)Herzens durch meine Reaktion auf das Gelesene auf, d.h. durch meine Handlungen.

Ich habe die Wahl, entweder meine Wünsche oder menschliche Traditionen in den Bibeltext hineinzulesen oder mich zu bemühen, dies nicht zu tun. Meine Werke zeigen, ob ich das tue oder nicht. Deswegen kann Gott mich nach meinen Werken richten, auch wenn es eigentlich meine Absicht ist, die zählt.

Wer einfach nur gerettet werden will, ohne dass er Gott liebt, der wird versuchen, mit einem Minimum von „Arbeit“ seine Rettung zu bekommen. Solch eine Person wird nicht versuchen, Gottes Willen festzustellen und in die Tat umzusetzen, sondern tendenziell danach fragen: Muss ich das tun. Für solch eine Person ist alles in der Bibel eine Reihe von Anweisungen, die man befolgen muss, um gerettet zu werden. Auf Dauer reicht das aber nicht als Motivation, um Gottes willen zu tun. Über kurz oder lang werden solche Personen (wenn sie denn nicht anfangen Gott zu lieben) versuchen, „Gesetzeslücken zu finden, um darum herum zu kommen, Gottes Willen in Fragen zu tun, wo er ihnen unangenehm ist.

Aus diesem Grund ist das „System zur Rettung“ in der Bibel so genial: Nur diejenigen, die die Gott lieben, können es überhaupt erfassen. Alle anderen können davor stehen, ohne dass es ihnen auffällt.

Was ist mit denen, die Gott noch nicht kennen und daher noch nicht lieben? Ist es nicht unfair, dass nur diejenigen, die ihn bereits lieben, den Weg zur Rettung finden können? Nein! Jesus verspricht, dass Gott „uns zu sich zieht“, d.h. er gibt jedem ausreichende Gelegenheiten, ihn lieben zu lernen. Jeder Schritt, den wir zur Liebe Gottes tun, eröffnet uns weitere Möglichkeiten, wie wir die Liebe zu Gott vertiefen können. Es liegt an uns, ob wir wollen oder nicht.

Schlussfolgerungen

Was heißt das nun in der Praxis? Wer Gottes Willen nicht tun will, der wird nicht gerettet. Der Wunsch, gerettet zu werden, bringt mich alleine nicht dazu, dauerhaft den Willen Gottes zu tun. Es ist die feste Absicht nötig, Gottes Willen zu tun, die auf meiner Liebe zu Gott basiert, um hinreichend dauerhaft zu sein. Daher können Menschen sich die Rettung nicht erarbeiten, ganz egal, wie viele gute Werke sie tun, aber wer nicht gute Werke tun will, für den hat Jesu Opfer keinen Nutzen.

Nun ist es nicht meine Sache (und auch nicht deine) zu beurteilen, wer Gott hinreichend liebt, und wer die Absicht hat, Gottes Willen zu tun oder nicht. Das können wir guten Gewissens Jesus überlassen, der ins Herz schauen kann und eindeutig herausfindet, wie diese Fragen beantwortet werden müssen.

Wer aber behauptet, dass Jesu Opfer allein ausreicht, und es daher nicht erforderlich ist, „gute Werke“ zu tun, der versteht nicht, warum Jesu Opfer überhaupt notwendig ist. Es dürfte kaum möglich sein, die in diesem Beitrag genannten biblischen Aussagen sinnvoll zu erklären, wenn man nicht einen Standpunkt hat, der meinem sehr ähnlich ist. Wesentlich andere Standpunkte erfordern es immer, entweder einige der oben zitierten Bibelverse für ungültig zu erklären (oder einfach zu ignorieren), oder aber Gott eine Vorgehensweise zu unterstellen, die nicht mit Liebe, Gerechtigkeit und Weisheit in Übereinstimmung sind, bzw. diversen biblischen Aussagen zu unterstellen, dass sie vollkommen sinnfrei sind.

In der Realität passiert es daher auch nicht (oder zumindest äußerst selten), dass diejenigen, die Zeugen Jehovas ein „Leistungsevangelium“ vorwerfe, versuchen, die genannten biblischen Aussagen auf sinnvolle Weise zu erklären. Im Allgemeinen ignorieren sie sie einfach. Ich persönlich kann ihre Meinung aber erst ernst nehmen, wenn sie einen ernsthaften Versuch machen würden, die genannten Punkte unter der Voraussetzung zu erklären, dass man nicht verpflichtet ist, Gottes Willen aus voller Kraft nach bestem Wissen und Gewissen zu tun. Vermutlich werde ich auf ernstzunehmende Versuche nicht mit angehaltenem Atem warten, da meine Erfahrung zeigt, dass derartige Versuche (wenn sie denn gemacht werden) immer zu erheblichen Selbstwidersprüchen in wichtigen und offensichtlichen Punkten führen. Aber ich bin gerne bereit, mich eines besseren belehren zu lassen.

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