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[Kleiner Hinweis vorab: der vorliegende Text ist ein Essay, ein Versuch im eigentlichen Wortsinn. Ich bin mir bewusst, dass dieser Versuch noch jede Menge Ecken und Kanten hat; da ich hier aber in eine Richtung denke, in die ich vorher noch nicht gedacht hatte, ist das unvermeidlich. Du wirst hier wahrscheinlich viele gedankliche Doppelungen und Umwege finden, die man in einem zweiten Versuch wahrscheinlich besser machen kann. Hier und da werde ich etwas übersehen haben oder Fehler eingebaut haben.]

Über die Feiertage hat man ja angeblich nichts zu tun. Das stimmt (für Fischotter) eher nicht. Ich hatte nur wenig Ruhe „zwischen den Jahren“, weswegen ich auch nicht dazu kam, einen interessanten Wörterbuchartikel zu studieren, den mir ein freundlicher Erdbewohner zuschickte. Dafür fiel mir eine Mail in die Hände, die ich letzten Oktober bekommen habe. Damals hatte ich mich mit dem Inhalt eher nicht auseinandergesetzt, da der Schreiber meinte, mir aus dem Internet zusammenkopierte Abschnitte als seine „eigenen Gedanken“ zu verkaufen. Aber ein Satz schien wirklich von ihm zu stammen; zu dem Gleichnis von treuen und verständigen Sklaven (Matthäus 24,45ff und Lukas 12,42ff) schrieb er: „Meiner Meinung nach erwähnte Jesus hier ein Gleichnis – keine Prophetie!!! – um ganz einfach zur Wachsamkeit zu ermahnen.“

Diese Meinung ist mir bereits über den Weg gelaufen, und dies brachte mein Otterhirn zum Laufen: Wieso kann ein Gleichnis keine Prophetie sein? Das erscheint mir so sinnvoll wie die Frage, ob Nasi Goreng nun ein Reisgericht oder ein asiatisches Gericht sei: Beides ist richtig. Und die Kategorien „Gleichnis“ und „Prophetie“ schließen sich genau so wenig gegenseitig aus. Daher ergibt der Satz, so wie ich ihn hier zum Lesen bekam, keinen Sinn; deswegen erlaube ich mir, ihn zum weiteren Nachdenken entsprechend der (anscheinenden) Absicht des Mailschreibers etwas zu korrigieren: Das Gleichnis vom treuen und verständigen Sklaven ist kein prophetisches Gleichnis, sondern ein Gleichnis, das den Leser zu einer bestimmten Handlungsweise (hier: Wachsamkeit) ermahnen soll.

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Wer die Rede Jesu aus Matthäus 24 mit dem vergleicht, was wir in Markus 13 über die gleiche Rede lesen, dann fällt mir auf, dass es dort zwei Gleichnisse gibt, die man nicht auf den ersten Blick zusammenbringen kann, obwohl sie schon so aussehen, als ob sie etwas miteinander zu tun hätten: Ich meine das Gleichnis vom Türhüter aus Markus 13 und das Gleichnis vom treuen und verständigen Sklaven. Wie passen die zwei Gleichnisse zusammen? Wenn ich den Bericht aus Lukas 12 daneben lege, der zwei ähnliche Gleichnisse enthält, die Jesus bei einer anderen Gelegenheit hintereinander erzählte, dann bietet sich die Sortierung geradezu an, die ich gefunden habe und hier vorstellen möchte.

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Muss ein Christ loyal zu  einer menschlichen Organisation stehen, damit er gerettet werden kann? Darf man als Christ überhaupt Menschen gegenüber loyal sein? Und wie weit darf bzw. muss diese Loyalität gehen? Um ein zufälliges(?) Beispiel willkürlich(?) auszuwählen, werden Zeugen Jehovas von Seiten vieler Freikirchen und „freier Christen“ kritisiert, weil sie angeblich die Mitgliedschaft in ihrer Organisation zur Vorbedingung dafür machen würden, dass man gerettet werden kann. Damit würden sie ihre eigentliche Rettung, die allein auf dem Opfer Jesu beruhen kann, gegen die (unmögliche) Rettung durch eine menschliche Organisation austauschen. So kann man über sie häufiger Sätze wie folgenden lesen, den ich kürzlich in meiner Mail las:

Statt der unbedingten Loyalität gegenüber unserem Herrn und Heiland Jesus Christus wird die Loyalität gegenüber einer menschlichen Organisation eingefordert.

Abgesehen von der Frage, ob eine „menschliche Organisation“ mich als Fischotter überhaupt interessieren muss, wirft das die wesentlich wichtigere Frage auf, ob und inwieweit die Rettung eines Christen von seiner Loyalität gegenüber Menschen abhängt oder abhängen kann und welche Bedeutung die Loyalität gegenüber Menschen für einen Christen überhaupt haben muss oder soll oder darf. Als Aufhänger für die Besprechung dieser Frage nehme ich wieder eine Webseite von Heiko Evermann, in der er genau den oben erwähnten Vorwurf macht und begründet. Dort weist er als erstes auf einen Punkt hin, dem ich uneingeschränkt zustimmen kann:

Die Bibel ist voll davon, daß Menschen zum Glauben an Jesus Christus eingeladen werden. Rettung gibt es allein durch ihn…

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