Jesus = Jehova? Hebräer 5,4-6

Im Internet kann man folgende Behauptung lesen:

Jesus und der Vater wurden im AT kaum unterschieden. Beide erschienen als Jahwe. Im NT ist die Unterscheidung wichtiger. Deshalb die Namen Gott, der Vater und Jesus Christus. Beide haben aber immer noch den gleichen Namen „ Jahwe“ .

Diese Behauptung ist eine wichtige Unterstützung für die Dreieinigkeit. Denn wenn Jesus im AT nicht als Jehova bezeichnet wird, dann wäre es für Trinitarier schwer zu erklären, wieso eine Person des dreieinigen Gottes in einem Großteil der Bibel durch Abwesenheit glänzt, insbesondere, wenn man bedenkt, dass „Gott, der Sohn“ üblicherweise in der Glaubenswelt der Trinitarier der wichtigste Teil Gottes ist. Stimmt es aber, dass Jesus mit Jehova gleichgesetzt werden kann? Vor längerem hatte ich mich mit angeblichen Beweisen dafür auseinandergesetzt, dass Jesus Jehova ist. Heute möchte ich einen Bibeltext vorstellen, der es schwer macht, diese Gleichsetzung zu glauben. Schauen wir uns zuerst den Text an:

Hebräer 5,4-6 (NGÜ): Im Übrigen kann sich niemand eigenmächtig zum Hohenpriester machen; man muss von Gott zu dieser ehrenvollen Aufgabe berufen sein, wie es schon bei Aaron der Fall war. Genauso war es auch bei Christus. Er hat es sich nicht selbst angemaßt, Hoherpriester zu werden; vielmehr wurde ihm diese Würde von dem verliehen, der zu ihm gesagt hat: »Du bist mein Sohn; heute habe ich dich gezeugt.« An einer anderen Stelle sagt Gott nämlich: »Du sollst für alle Zeiten Priester sein – ein Priester von derselben priesterlichen Ordnung wie Melchisedek.«

Es wird von Trinitariern wiederholt behauptet, dass der Hebräerbrief die Gottheit Jesu bezeugt. Hierfür bieten Trinitarier regelmäßig ihre Interpretation von Hebräer 1,8.10 an; sie verstehen diese Verse so, dass Jesus hier als Gott bezeichnet wird. Wie ich in der Vergangenheit zeigte, kann man diese Verse allerdings auch anders verstehen. Seltsamerweise finde ich aber niemals eine Besprechung, wie Hebräer 5,4-6 mit der Idee vereinbart werden kann, dass Jesus Jehova sein soll, der Gott des AT.

Als erstes haben wir die wichtige Aussage, dass sich niemand selber zum Hohenpriester machen kann, sondern dass Gott derjenige ist, der den Hohenpriester ernennt. Im Falle Aarons war dieser Gott eindeutig Jehova:

2.Mose 30,22.30 (NeÜ): Jahwe sagte zu Mose: …  Auch Aaron und seine Söhne sollst du mit dem Öl salben, wenn du sie in den Priesterdienst einsetzt.

2.Mose 29,44.46 (NeÜ): Auch Aaron und seine Söhne mache ich heilig, damit sie mir als Priester dienen können. …. Und sie werden erkennen, dass ich, Jahwe, ihr Gott bin,

2.Mose 40,1.13 (NeÜ): Jahwe sagte zu Mose: … Leg Aaron die heiligen Gewänder an und salbe ihn. Dadurch heiligst du ihn zum Priesterdienst für mich.

Es ist offensichtlich, dass hier Jehova derjenige ist, der Aaron zum Priester machte. Welcher Gott war das nun: Gott, der Vater, oder Jesus? Wenn wir weiter schauen, finden wir die bedeutsamen Worte: „Genauso war es auch bei Christus„. Wenn es genauso war wie bei Aaron, dann heißt das: Jesus hat sich nicht selbst ernannt, denn das steht ausdrücklich so da. Der Gott, der ihn ernannt hat, muss damit ausdrücklich Jehova sein, derjenige, den die Trinitarier als „Gott, den Vater“ bezeichnen.

Interessant ist hier, dass dieser, der nach trinitarischer Vorstellung „Gott, der Vater“ sein muss, hier einfach mit „Gott“ bezeichnet wird und nicht zwischen „Gott, dem Vater“ und „Gott, dem Sohn“ unterschieden wird. Weiterhin interessant ist, dass Jesus hier ausdrücklich von Gott unterschieden wird, da er derjenige ist, welcher Von Gott ernannt wird und nicht durch sich selbst.  Wenn der Autor des Hebräerbriefs nicht die Dreieinigkeit lehrte, dann sind diese Bezeichnungen sinnvoll und korrekt: Er bezeichnet denjenigen als Gott, welcher als einziger auch Gott ist und er bezeichnet Christus nicht als Gott, da er nicht Gott ist. Weitere Unterscheidungen sind dann nicht notwendig.

Wenn nun jemand behaupten will, dass Jesus im Hebräerbrief als Gott vorgestellt wird, dann sind die Formulierungen in diesem Teil des Briefes aber seltsam: Der Text, so wie er da steht, sagt, dass Gott derjenige ist, der den Hohenpriester einsetzt, und dass Gott Jesus als Hohenpriester eingesetzt hat. Wie soll dann Jesus hier Gott sein? Und wenn jemand behaupten will, dass hier eine Person des dreieinigen Gottes eine andere Person des dreieinigen Gottes zum Priester einsetzt, dann passen die Formulierungen nicht.

Denn jemand wie der Autor des Hebräerbriefs, der (angeblich) einen dreieinigen Gott lehrt, kann doch nicht sagen: „Jesus als Gott setzt sich nicht selbst als Hohenpriester ein, sondern er wird von Gott eingesetzt“. Spätestens an dieser Stelle hätte er doch sauber zwischen „Gott dem Vater“ und „Gott, dem Sohn“ unterscheiden müssen, da er ansonsten bei seinen Lesern Verwirrung gestiftet hätte: denn das waren offensichtlich Personen, denen die Zusammenhänge zwischen Jesus und Gott gerade erklärt werden mussten. Dass er den Unterschied zwischen Gott und Christus hier nicht weiter erläutert, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass im Hebräerbrief Jesus nicht als Teil einer trinitarischen Gottheit vorgestellt werden soll.

Wenn man behaupten will, dass die Leser des Hebräerbriefes die Dreieinigkeitslehre bereits kannten und deswegen hier eine schlampige Formulierung keine Verwirrung stiften würde, wieso musste man ihnen dann wiederum die „Anfangslektionen der Botschaft von Christus“ vorkauen (Hebräer 6,1 NGÜ)? Wieso hatten diese Menschen, denen es nicht gelang, „die grundlegenden Wahrheiten der Botschaft Gottes“ zu verstehen, kein Problem mit der Dreieinigkeitslehre (Hebräer 5,12 NGÜ)?

Wie man es auch dreht und wendet, es bleibt unverständlich, dass hier Formulierungen verwendet werden, welche unitarisch einfach zu verstehen sind, aber trinitarisch verstanden sinnlos wirken. Wie also kann dieser Vers trinitarisch erklärt werden ohne dem Kontext Gewalt anzutun? Wieso benutzt der Hebräerbrief hier Formulierungen, welche ein Trinitarier nicht benutzen konnte, ohne heillose Verwirrung über die Dreieinigkeitslehre zu stiften? Trinitarier aller Länder vereinigt euch …. ;o)

2 Kommentare
  1. Bernhard Simon sagte:

    Ja, so ist es eben, was die Bibel nicht sagt, kann man auch nicht in sie hineininterpretieren. „Du bist mein Sohn, der geliebte, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe, wäre ja ein Eigenlob des „dreieinigen“ Gottes, dafür, dass ein Teil von ihm dem andern gefällt! …
    PS Im Absatz 5 muss es wohl richtigerweise „Aaron“ heißen und nicht „Abraham“, oder?

    • hgp3 sagte:

      Abraham? Das war natürlich voll beabsichtigt ;o) Ich wollte nur testen, ob irgendjemand meinen Blog auch wirklich liest ;o)

      Im Ernst: Vielen Dank, ich habe den Fehler korrigiert.

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